Partnerschaft Kolumbien - Bistum Aachen
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Partnerschaftlich verbunden - das Bistum Aachen und die Kirche Kolumbiens

 
 
 
kolumma

Auch zur Heiligtumsfahrt 2014 waren viele Menschen aus Kolumbien in Aachen zu Gast. Auf der Bühne im Aachener Hof gab es ein ganzes abendfüllendes Programm im Zeichen der Partnerschaft. © Domkapitel Aachen / Angelika Kamlage

 
 
 

Nach Beschluss des Bistumstages richtete 1999 das Bistum Aachen einen Partnerschaftsrat ein, der das Gremium des Bistums für die Koordination der Partnerschaftsarbeit mit der Kirche in Kolumbien ist.

Dieser wurde 2010 durch die bischöfliche Kommission für die Partnerschaft mit der Kirche in Kolumbien abgelöst.  Ihr Ziel ist es, die seit 50 Jahren unterschiedlich gewachsenen Formen der Partnerschaft in den Bereichen der Priesterausbildung, der Solidaritäts-, Friedens- und Menschenrechtsarbeit sowie der Bildungsarbeit zu stärken bzw. auszubauen und sie als Modell weltkirchlicher Weggemeinschaft erfahrbar zu machen.

 
 
 
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Aktuelles

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„Keine Angst vor Fremden, Flüchtlingen oder einer Islamisierung“

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Nein zum Staudamm am Tapajós

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missio: 2,18 Millionen Euro für Flüchtlingsarbeit im Nahen Osten

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Syrische Autorin über Kindheit in Damaskus

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Jetzt gibt es wohl kein Zurück mehr

Im Partnerland des Bistums, Kolumbien, scheint der Friedensprozess einen großen Schritt weiter Mehr

Auf den Spuren der Globalisierung

Von Aachen aus recherchiert „Kontinente“ Hoffnungsgeschichten Mehr

 
 
Omar Albertó Sánchez Cubillos

Bischof Omar Albertó Sánchez Cubillos ist mit 51 Jahren einer der jüngsten Bischöfe Kolumbiens. Sein Bistum ist Tibú im Bundesland Santander. Hier zu Besuch im Grenzort Tres Bocas (Benzinschmuggel).

Vollbild Omar Albertó Sánchez CubillosGalerie Messe im Bergdorf Las Mercedes. Omar Albertó Sánchez Cubillos

 
 

 

Text: Thomas Milz, Fotos Jürgen Escher

Mit Worten statt mit Waffengewalt

Monseñor Luis Augusto Castro Quiroga

Für viele Kolumbianer ist Monseñor Luis Augusto Castro Quiroga die gewichtigste prophetische Stimme innerhalb der katholischen Kirche.

Er gehört zu den wenigen Kirchenmännern, denen man zutraut, die Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und der linken FARC-Guerilla im kubanischen Havanna aktiv mitzugestalten.

„Viele denken, man müsse der Guerilla mit Waffengewalt statt mit Worten entgegentreten. Doch diesen Weg hat man schon oft ausprobiert, ohne dass es Erfolge brachte", erinnert Monseñor Castro Quiroga, der Erzbischof von Tunja. „Jetzt setzt man endlich auf den Dialog." Seit den 1980er-Jahren gilt der heute 73-jährige Consolata-Missionar als eine der prophetischsten Stimmen der kolumbianischen Kirche. Sein jahrzehntelanger Dialog mit den Bürgerkriegsparteien hat ihm den Respekt von Regierung und Guerillagruppen sowie eine hohe Glaubwürdigkeit innerhalb der Bevölkerung eingebracht.

Schon in den 1980er- und 1990er-Jahren vermittelte er im Süden des Landes zwischen den Konfliktparteien. 1997 gelang es ihm, die FARC zu überzeugen, sechzig in ihrer Gewalt befindliche Soldaten freizulassen. Für sein soziales und friedenspolitisches Engagement erhielt der Erzbischof 2010 den renommierten Nationalen Friedenspreis. Als Zeichen der Wertschätzung und Unterstützung seiner Friedensarbeit innerhalb der Kirche, wurde Monseñor Castro Quiroga 2014 zum zweiten Mal zum Vorsitzenden der Kolumbianischen Bischofskonferenz gewählt.

Als Vorsitzender der Nationalen Versöhnungskommission begleitet er die seit drei Jahren laufenden Friedensgespräche zwischen der Regierung und der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) im kubanischen Havanna. Dort, so hofft er, werden nach fünfzig Jahren Bürgerkrieg nun endlich die Worte über die Waffen siegen.

Die 1995 von der Kirche eingerichtete Kommission fungiert mittlerweile als unabhängiges Beratungsgremium der Regierung, wobei sie mit allen Bürgerkriegsparteien im Gespräch bleibt. Adveniat unterstützt seit Jahren die Arbeit der Kommission, in deren Auftrag der Erzbischof mehrmals gemeinsam mit Opfern des Bürgerkriegs nach Havanna reiste, um ihnen zu ermöglichen, ihre Geschichten und ihr Leid dort vorzubringen. Es gehe darum, „die Herzen zu reinigen, um besser weiterleben zu können."

Diese Begegnungen seien sehr intensiv gewesen. „Die Männer und Frauen ließen ihren Gefühlen freien Lauf und denunzierten alle Täter, deren Namen sie kannten", berichtet Monseñor Castro Quiroga. Die Offenheit habe letztlich allen gut getan, meint der Erzbischof und zieht ein positives Fazit: „Danach gestand die FARC ein, viel Schlimmes getan zu haben, und die Regierung gab zu, nicht genug zum Schutz der Bevölkerung getan zu haben. Und viele der Leidtragenden konnten sich endlich wieder mit dem Leben versöhnen."

Kolumbiens Bevölkerung, müde vom schier unendlichen Gewaltkreislauf, sehe dem Dialog in Havanna hoffnungsvoll entgegen, glaubt Monseñor Castro Quiroga, „jedoch mit einer Bedingung: Es darf keine Straffreiheit geben." Jede Seite müsse ihre Schuld eingestehen und annehmen, fordert er. „Denn eine Straffreiheit wäre furchtbar." Zu viele Opfer seien zu beklagen. Angesichts von 220.000 Toten und mehr als sieben Millionen Vertriebenen könne und wolle man die Frage der Schuld nicht übergehen.

Wie jedoch die Täter auf beiden Seiten zu bestrafen sind, ist einer der Kernpunkte des Friedensabkommens von Havanna. Die Versöhnungskommission setzt dabei auf eine Übergangsjustiz mit reduzierten, alternativen Strafen. Damit soll die Akzeptanz des Friedensprozesses unter den Guerilleros erhöht und sie überzeugt werden, ihre Waffen niederzulegen. „Wir wollen weder die Schuld noch die Strafe abschaffen, aber wir wollen sie reduzieren, um im Gegenzug den Frieden ernten zu können", erklärt Monseñor Castro Quiroga.

„Die Übergangsjustiz ist wie eine Waage. Man legt mehr Gewicht auf den Frieden und weniger auf die gerechte Strafe. Aber nur dann, wenn ein Täter im Gegenzug aktiv für den Frieden arbeitet und hilft, die Wahrheit ans Licht zu bringen." Denn noch schlimmer als eine mögliche Straffreiheit für die Täter sei die Ungewissheit der Opferangehörigen, die bis heute nicht wissen, was mit ihren Verwandten geschehen ist. Noch immer gelten tausende Menschen als verschwunden und sind viele Morde nicht aufgeklärt.

Der Erzbischof ist überzeugt: „Strafe darf nicht mit Rache verwechselt werden. Und als Gemeinschaft müssen wir lernen, den Täter als Mensch anzusehen und nicht als wildes Tier. Nur so können Frieden und Versöhnung erreicht werden." Dass dies nach einem halben Jahrhundert Bürgerkrieg keine leichte Aufgabe ist, weiß Monseñor Castro Quiroga nur zu gut. „Der Krieg hat uns alle unmenschlich gemacht, wir sind unsensibler geworden gegenüber dem Leid, respektieren das Leben des anderen zu wenig und tun uns schwer, ihm die Hand zu reichen. Wir müssen unsere Menschlichkeit neu entdecken."

Sein Engagement für eine menschlichere Gesellschaft macht den engagierten Kirchenmann immer wieder zum Konfliktschlichter. Als es 2013 in seiner Diözese Tunja zu einem Landarbeiterstreik kam, empfing er die Konfliktparteien zu Verhandlungen im Bischofshaus. Kritisch sieht er die neoliberale Wirtschaftspolitik der Regierung in Bogotá, die dazu führe, dass es günstiger sei, Produkte wie Kartoffeln zu importieren, als sie im eigenen Land anzubauen.

Die daraus resultierende Armut der Landbevölkerung führe zu Drogen- und Alkoholkonsum sowie zu einem Anstieg häuslicher Gewalt. Viele Jugendliche, die keine Perspektive mehr sehen, verließen die Höfe, um sich den bewaffneten Gruppen anzuschließen, beklagt der Erzbischof. Die sozialen Ungleichheiten innerhalb der Gesellschaft nährten so fortwährend einen ewigen Kreislauf der Gewalt.

Doch Monseñor Castro Quiroga ist zuversichtlich, dass Kolumbien den eingeschlagenen Weg zum Frieden konsequent zu Ende gehen wird. Dass er selbst einen beachtlichen Anteil daran hat, wischt er bescheiden zur Seite: „Ich bin eigentlich nur das Sprachrohr", meint er lachend.

 

Frieden jetzt! Die Adveniat-Aktion 2015
Die bundesweite Weihnachtsaktion des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat wird am ersten Adventssonntag, 29. November 2015 in Stuttgart eröffnet. Unter dem Motto „Frieden jetzt! Gerechtigkeit schafft Zukunft" setzt sich Adveniat vor allem dafür ein, dass Strukturen der Gewalt beseitigt werden und Versöhnungsarbeit die Voraussetzung für ein friedliches Miteinander in Lateinamerika bilden kann. In der Adventszeit sind Adveniat-Partner aus Kolumbien und Guatemala in den deutschen Bistümern unterwegs, um über ihre Arbeit für den Frieden zu berichten. Die traditionelle Weihnachtskollekte, die am 24. und 25. Dezember in allen katholischen Gemeinden Deutschlands stattfindet, ist für die Hilfe für die Menschen in Lateinamerika bestimmt. Spenden Sie für Hilfsprojekte in Lateinamerika, die sich dem Kreislauf von Gewalt und Ungerechtigkeit entgegenstellen: Spendenkonto 17345 bei der Bank im Bistum Essen, BLZ 360 602 95 (IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45, BIC: GENODED1BBE).


Von Anja Klingbeil

Veröffentlicht am 16.11.2015

 
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